Kristallweizen – warum?

Kristallweizen-KarteWeils schmeckt. Vor allem im Sommer.
Und: Weils einen… nun ja, mich nicht so müde macht wie Hefeweizen:
Trink mal an einem heißen Tag 3 Kristallweizen. Danach bist Du erstaunlich fit und gut drauf.
Dann trink mal anschließend 3 Hefeweizen.
Und… immer noch fit?
Siehste!

Aber auch:
Weils sonst kaum einer mehr trinkt. Und dadurch viele Brauereien, die früher ein tolles Kristallweizen im Sortiment hatten, dieses heute nicht mehr produzieren. Hierdurch ist ein wichtiger Teil süddeutscher Bierkultur vom Aussterben bedroht.

Und um mal mit einer weitverbreiteten Falschmeinung 1 bezüglich Kristall vs. Hefe (die mittlerweile auch im aktuellen Wikipedia-Eintrag zu Weißbier richtiggestellt wurde) aufzuräumen, ein kurzer Abriss der jüngeren Weizenbier-Geschichte:

Natürlich war früher auch schon mal Hefe im Weizen. Die kam – natürlich – von der Gärung, war den Leuten in der Regel aber zu bitter und wurde beim Ausschank möglichst vermieden. Wenn doch Hefe ins Glas (oder in den Krug) kam, kaschierte man den Bittergeschmack mit Säure: einer Scheibe Zitrone.2 In den 20er Jahren entwickelte die Brauerei Farny nach eigenen Angaben erstmals eine Technik, die es ermöglichte, die unerwünschte, obergärige Hefe samt der ganzen Trubstoffe vollständig aus dem Bier herauszufiltern. Dieses neue, kristallklare Bier wurde unter dem Namen Champagner-Weizen bekannt und vertrieben, bis in den 60er Jahren diese Bezeichnung verboten und durch Kristallweizen ersetzt wurde.

Der seit den 80er Jahren anhaltende Hefe-Boom (beim Hefeweizen wird dem oft zunächst gefilterten Weizen nachträglich wieder untergärige Hefe zugesetzt) verdrängt leider zunehmend das bekömmlichere Kristall, weil der Mensch halt glaubt, trübes Bier sei naturbelassener (wie z.B. naturtrüber Apfelsaft) und dass die Hefe ja ach so gesund sei
(vgl. Rhematische Erkrankungen / Purine).

Ein typisches Kristallweizen hat bei einer Stammwürze zwischen 11,4 und 12 Prozent einen Alkoholgehalt von 4,9 bis 5,2%. Der Brennwert liegt im Mittel bei 215 (±20) kcal pro halbem  Liter. Der einzige Ausreißer ist das leichte Kristall von Farny mit 3,2% und 110 kcal.

Eine Auflistung der mir derzeit bekannten erhältlichen Kristallweizenbiere gibts hier.

Man lasse sich aber durch den vermeintlich großen Umfang der Liste (aktuell über 80 Biere) nicht blenden, vermutlich sind über die Hälfte der Biere Zukäufe (und deren Quellen werden in der Regel nicht preisgegeben).

Karten-Screenshot

Karte mit allen mir derzeit bekannten Kristallweizen-Brauereien

Momentan arbeite ich an einer Karte mit den Brauereistandorten, hier sieht man schön, wo heute kristalliner Biergenuss noch einen Stellenwert besitzt.

* * *

Ansonsten: Meinereiner trinkt natürlich auch gelegentlich gern mal eine andere (vorzugsweise fränkische) Bierspezialität. Vor allem in der kühleren Jahreszeit: Kellerbiere (je dunkel desto gut), Rauchbier, Rotbier, auch mal ein Schwarzbier. Haupsache bunt. Und zum Essen auch hin und wieder mal ein gepflegtes, gut gehopftes Pils.
Darüberhinaus leiste ich mir – gerade auch im Hinblick auf die zunehmende Monopolisierung im weltweiten Biermarkt – eine generelle Abneigung gegen „Fernseh-Biere“ und Großbrauereien.

1 in den Wikipedia-Einträgen vor Nov. ’12 wurde Kristallweizen fälschlicherweise als eine „Erfindung“ der 70er Jahre  bezeichnet.
2 Bei Puristen gilt die Zugabe einer Zitrone natürlich als absolutes no-go. Vielerorts hat sich aber dieser Brauch bis in die heutige Zeit gehalten und ich, der ich quasi damit „groß geworden“ bin, liebe die leicht säuerliche  Note und empfinde die (natürlich ungewachste und gewaschene) Zitrone durchaus als ‚Erfrischungsgewinn‘.

26 Kommentare zu Kristallweizen – warum?

  1. Pingback: blog.fohrn.com | Die Biergarten-Tester.

  2. René sagt:

    sehr interessanter Beitrag, danke! … da wird es demnächst wohl mal des öfteren ein Kristall geben 😉

  3. Heike Rietz sagt:

    Ja Du sprichst mir aus dem Herzen. Bin seit Jahren ein Fan vom Kristallweizen. In Berlin bekommt man allerdings nur die Klassiker von den großen Brauereien. aber ist o.k.! Doch nun wird mir ärztlicherseits gesagt: um Gottes Willen keine Hefebier für mich. Es geht um die Hefeanteile. Ich habe das jetzt so verstanden, dass diese Hefe beim Kristallweizen herausgefiltert wurde. Ist das richtig??? Somit hätte ich doch ein tolles Bier, was keine Hefe enthält. Oder???
    Würde mich dolle über eine Antwort freuen.
    Gruß Heike

    • Hallo Heike,

      erst mal Danke für den Kommentar.
      Du bist leider nicht die erste, die mich auf die Hefeproblematik anspricht, und ich habe festgestellt, dass es schwer bis unmöglich ist, hierüber vernünftige Informationen aus dem Netz zu erhalten. Daher halte ich mich mal vorsichtig zurück mit Äußerungen. Richtig ist: Beim Kristallweizen wird wohl der Großteil der enthaltenen Hefe herausgefiltert. Aber wieviel das prozentual ist – oder ob man das Bier sogar als Hefe-frei bezeichnen darf, vermag ich nicht zu sagen.
      Werde aber dieses Thema im Auge behalten; solltest Du neue Erkenntnisse gewinnen, würde ich mich freuen, davon zu erfahren!

    • Heike sagt:

      Hallo Heike,
      ich hab das gleiche Problem-darf momentan keine Hefe zu mir nehmen.
      Nun habe ich auch über Kristallweizen gelesen,dass hier die Hefe raus filtriert wird.Ich denke Spuren von Hefe werden auf jeden fall noch drin bleiben,aber ich teste,wie ich es vertrage. Denn so ganz möchte ich auf ein leckeres Bierchen ab und an nicht verzichten! 😉
      Hast du neue Erkenntnisse gewonnen?
      Lieben Gruss, Heike

  4. wolfgang sagt:

    ich stimme dir völlig zu in der betrachtung meines gelibeten kristallweißbieres 🙂
    hier in norddeutschland reden alle vom „weizenbier“, obwohl es im ursprungsland noch immer weißbier heißt, oder? und alle welt säuft hier dieses hefezeugs, widerlich! es fühlt sich an nach dem genuss mehrerer gläser, als ob der bauch glich detoniert… nix für mich! kristall bekommst du leider nicht überall hier bei uns, mein häuslicher vorrat ist deshalb immer für notzeiten ausgestattet ;-), und für mich gehört in jedem fall eine scheibe zitrone, gehälftet (damit schön in´s untere glas rutschen kann) dazu! und wer mal bei mir das kristall gekostet hat, ist fürbass erstaunt, wie wohlschmecken und bekömmlich „weizenbier“ sein kann,. prosit!

  5. Claus sagt:

    Nachtrag:

    ein weiteres Kristall aus meiner Heimat 😉

    http://www.koenigsbraeu.de/obergaerige-biere.20.htm

    Terminologie der Brauerei:
    Weizen = Kristallweizen, (Hefeweizen = Hefeweizen, Weißbier)

  6. Winfried sagt:

    Leider bekomme ich auch in Crailsheim fast
    nirgendwo mehr ein Kristallweizen.

  7. Gisela Strobel sagt:

    Vielen Dank für all die Tipps und Artikel. Ein Tipp von mir bzw. von meinem Mann, der seit ein paar Jahren eine Hefeallergie hat: habe 13 Brauereien angeschrieben und auch ausführliche Antworten bekommen.
    Erdinger Kristallweizen hat keine Hefe mehr drin. Die wird nach der Gärung wieder „rausgezogen“. Lt. Aussage der Brauerei.
    Dann gibt es noch Paulaner Kristall. Die haben lt. ihrer Info noch ca. 0,0005% Hefe drin.
    Beim Erdinger hat mein Mann den Härtetest gemacht und: es gab seinerseits keine allergische Reaktion.
    Es geht aber auch Paulaner. Das muss man alles selber testen.
    Eines noch: leider bekam ich von keiner Stuttgarter Brauerei auf meine Anfrage eine Antwort.

  8. Bob sagt:

    Hallo,

    trinke seit 32 Jahren fast nur Weizen Kristall. In Berlin muß ich im Restraurant auch nur ein Kristall bestellen. Wahlweise mit Obst. Meine Tops sind;
    Maisels (teuer deswegen selten)
    Erdinger gutes Preis/Leistung Geschmack
    Paulaner auch ok
    Schöfferhofer – Modebier, [nicht schmeichelhafte Bezeichnung vom Admin entfernt]

    • Kristallweizentrinker sagt:

      Danke für den preußischen Lagebericht und sorry fürs redigieren des Kommentars, aber ich hab keine Lust auf eine Abmahnung von Schöfferhofer/Radeberger 😉

  9. Kristallweizentrinkerin sagt:

    Schwäbischer Lagebericht:
    Das leichte Champagnerweizen von Farny ( Stiftungsbrauerei) ist großartig,
    Meckatzer Kristall, Berg Kristall und auch das Schussenrieder Kristall sind
    geanu wie das Zwiefalter Kristall ganz großes Kino!
    Schöfferhofer: eher flach, Erdinger: leicht fauliger Geruch, Paulaner und Franziskaner: zu starker Eigengeschmack: das ist meine Meinung , ich trinke Kristall seit 20 Jahren.
    König Ludwig, ehemals Prinzregent Luitpold ist noch immer ein toller Durstlöscher nach dem Sport.
    Fazit für mich: Farny rules 🙂 und dann kommt der König Ludwig, yayyyy

  10. Niko sagt:

    Wenn ihr nach Oberbayern kommt – ich weiß nicht wie es im Rest Bayerns ist – versucht bitte niemals ein Kristallweizen zu bestellen. Mit dem Begriff Weizen kann schonmal der größte Teil nichts anfangen und mit dem Begriff Kristall in Verbindung ist es dann ganz vorbei! Wirst angeschaut als würdest in Berlin „Semmeln“ statt Schribben bestellen. In Oberbayern wird Weißbier getrunken. Wer Kristall möchte muss sich das selbst im Getränkemarkt holen. Wer das helle „naturtrübe“ nicht mag, kann es mal mit dunklem Weißbier versuchen.

  11. Andi sagt:

    Eine echte Kulturschande !
    Gibt kaum mehr ein Kristallweizen!
    Und das fällt sogar einem Wiener auf!!!
    Mir fällt nur die Stiftsbrauerei Schlägl ein:
    http://www.stiftsbrauerei-schlaegl.at/produkte/bier.html

    Obwohl Ihr ja bekanntlicherweise eher Nachbarn aus dem Fernen Osten willkommen heißt ;( – wär es doch ganz nett wenn Du in Deiner Landkarte auch Ösiland (der Nachbar gleich an der Südgrenze) berücksichtigen könntest!

    DU schaffst das! 😉

    Beste Grüße aus Wien
    Andi

    • Kristallweizentrinker sagt:

      Lieben Dank für den Kommentar. Muss allerdings sagen, dass ich bereits vor geraumer Zeit schon mal auf die Brauerei Schlaegl gestoßen bin und zunächst angenehm überrascht über das vermeintliche Auffinden eines außerdeutschen Kristallweizens war. Allerdings fand ich nirgendwo auf der Homepage einen Hinweis darauf, dass es sich hier tatsächlich um ein aus Weizenmalz gebrautes Bier handelt; die Bezeichnung „Kristall“ alleine sagt da noch nicht wirklich viel aus. Hab nur leider momentan nicht allzuviel Zeit, sonst würd‘ ich die Brauerei mal anschreiben um Gewissheit zu erlangen.
      Falls Dir zu diesem Thema weitere Erkenntnisse vorliegen – lass es mich wissen!

  12. Freibuerger sagt:

    als frange mit dem üblichen kulturellen hintergrund (bamberg, gegenden um kreuzberg, fränkische schweiz, steigerwald. naja, main-, wein- und bier-franken halt) bin ich in meinem exil etwas enttäuscht und habe mich dann aus der gleichgültigkeit heraus mal mit einem kristall experimentiert. noch dazu von deutschlands wohl grösster brauerei, die mit den vielen biersorten zum günstigen preis. in meinem alten umfeld war beides immer ein absolutes tabu. und dennoch bin ich äusserst positiv überrascht von diesem feinen getränk. werde mein möglichstes tun, um den absatz zu heben. schöner artikel und dib-dob webseide übrigens!

  13. Michael vom Bodensee sagt:

    Lieber Biergarten- Tester, ich möchte mich für die Idee, mal wieder Kristallweizen zu testen, ganz herzlich bei dir bedanken. Durch den Hefeweizen- Kult habe ich bestimmt über 20 Jahre kein Kristallweizenbier mehr getrunken. Jetzt hab ich mir eine Kiste Farny Kristallweizen gegönnt, und bin total begeistert. Das Farny Kristall ist der absolute Hammer. Es schmeckt sowas von lecker, und es zieht einen nicht so runter, als wenn man ein Hefeweisbier trinkt. Hab es mit Export, Pils, Bock und Kellerbier all die Jahre probiert, aber Kristallweizen toppt alles und ist wirklich der Champagner unter den Bieren. Nun gibts einen Kristallweizenbier – Genießer mehr im Bier- Universum. Vielen Dank für den Tipp.

  14. Jörg sagt:

    Die Schönbuch Braumanufaktur in Böblingen hat auch ein sehr leckeres Kristallweizen, gibt es aber vermutlich nur regional zu kaufen. Probiert es mal, Prost!

  15. Wolfgang Bittner sagt:

    Kristallweizen in Oberfranken.
    Habe bei einem Freund Oettinger Kristallweizen getrunken. Seitem ist das mein Hausbier. Kann man hier bei Kaufland bekommen.
    Gruss Hufschmied

  16. Luke sagt:

    Grüsse aus dem tiefsten Oberbayern nahe des bayrischen Meeres, ich muss hier auch das Oettinger Kristall loben und gleichzeitig feststellen das es ausser Erdinger keine weiteren Anbieter dieser Biersorte gibt. Werde aufgrund der Gicht problematik mal nen extrem Test versuchen schreibe euch dann das Ergebnis nach >10 Hoibe.
    In diesem sinne prost und Atakke

  17. Franklin1980 sagt:

    Ich kann auch das Kristallweizen der Brauerei Jacob aus Bodenwöhr empfehlen. Schmeckt sehr lecker.

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